27.09.2024 |

Wie findet man den richtigen Anwalt in England?

Auswahl und Mandatierung einer Anwaltskanzlei in UK

Wer in England eine Anwältin oder einen Anwalt sucht, muss sich zunächst über die Auswahlkriterien im Klaren sein und diese gewichten. Brauchen Sie eine Kanzlei mit besonderer Expertise auf einem Spezialgebiet (z.B. Baurecht, Kapitalanlagerecht, Presse- und Medienrecht o.ä.)? Ist der Sitz der Kanzlei relevant, weil etwa ein Prozess in einer bestimmten Stadt geführt werden soll? Erlaubt das Budget die Beauftragung einer teuren Londoner Großkanzlei (gar einer der fünf „Magic Circle law firms“) bzw. einer hochspezialisierten Boutique, oder muss man hier aus Kostengründen Kompromisse eingehen? Denn Anwälte in Großbritannien sind erheblich teurer als in Deutschland. Faktor fünf bis zehn ist keine Übertreibung, wenn Sie keinen Berufsanfänger aus der Provinz beauftragen wollen.

Experten und spezialisierte Kanzleien in England

Fachanwälte nach deutschem Verständnis existieren in England nicht. Die Law Society verleiht zwar „accreditations“ auf verschiedenen Rechtsgebieten. Dies betrifft aber primär die Gebiete „private client“ (also Erbrecht und Nachlassabwicklung), „personal injury“ (Unfälle und persönliche Schadensersatzansprüche) und „family law“.

Wer ausgewiesene Spezialist/innen im Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht, in einem Tech-Sektor oder in Business Litigation sucht, findet diese über die speziellen Lawyer Associations im jeweiligen Fachgebiet. Auf den Websites dieser Associations werden meist die Mitglieder aufgelistet und deren jeweilige Expertise und Schwerpunkttätigkeit genannt. Einige der bekannteren Associations sind:

Die Associations mit “Bar” im Titel sind Vereinigungen von Barristers und Solicitor Advocates. Auch diese spezialisieren sich oft auf bestimmte Rechtsgebiete, so dass es sinnvoll sein kann, nach ausgewiesenen Experten für die konkrete Fallthematik zu suchen.

Solicitor oder Barrister - Was ist der Unterschied?

Der Anwaltstyp, den Sie beauftragen, ist in aller Regel ein Solicitor. Barrister werden in der Regel nicht von den Parteien direkt beauftragt, sondern von deren Solicitors, die wiederum meist ein etabliertes Netzwerk von Barristern haben, auf die sie regelmäßig zurückgreifen und die sie bevorzugt beauftragen. Eine solche eingespielte Zusammenarbeit hat viele Vorteile. Barristers dürfen zwar theoretisch auch direkt instruiert werden, in der Praxis findet das aber kaum statt und macht vor allem für ausländische Mandanten keinen Sinn.

Was genau der Unterschied zwischen den Anwaltskategoerien Solicitor und Barrister in England ist, erkläre ich hier:

Die Mandatierung der englischen Anwälte: Onboarding, KYC und AMC

Wenn Sie eine passende englische Anwaltskanzlei gefunden haben, müssen Sie sich auf ein umständliches "onboarding" gefasst machen. Gerade bei - aus UK-Sicht - ausländischen Mandanten müssen britische Anwaltskanzleien genau dokumentieren, wer sie bauftragt, wo derjenige seinen Wohnsitz hat und dass keine Gefahr einer Geldwäsche besteht. Die Details zum Anwalts-Mandatierungs-Verfahren in England, dem KYC (know your client) und AML (anti money laundering) erkläre ich hier: www.englischesrecht.de/blog/warum-es-umstaendlich-ist-einen-anwalt-in-england-zu-mandatieren

Mehr zu Anwälten in England, deren Berufsregeln und der englischen Zivilprozessordnung:

Anwälte England

Kategorie: ProzessrechtStrafrechtWirtschaftsrechtHigh CourtCrown CourtZivilprozesse

Autor
Bernhard Schmeilzl

Bernhard Schmeilzl

Rechtsanwalt & Master of Laws

+49 (0) 941 463 7070 info@englischesrecht.de

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