13.01.2025 |

Strafzuschläge und Verzugszinsen - Die scharfen Sanktionen des englischen Finanzamts

Das UK Finanzamt (HMRC) verhängt scharfe Strafen bei falschen oder unvollständigen Angaben

Wie in Deutschland sind Steuerzahler auch in Großbritannien verpflichtet, Steuererklärung (tax returns) innerhalb bestimmter Fristen abzugeben und darin wahrheitsgemäße Angaben zu machen. Unwissenheit schützt dabei nicht vor Sanktionen. Im Zweifel muss man sich durch einen englischen Steuerexperten beraten lassen oder das britische Finanzamt (His Majesty's Revenue and Customs, HMRC) rechtzeitig fragen.

UK Steuererklärungen treffen dabei nicht nur Personen, die einen (Haupt-)Wohnsitz in UK haben. Auch wer in UK Geld- oder Aktienanlagen oder gar eine (vermietete) Immobilie besitzt oder wer aus UK erbt, muss eine UK Steuererklärung abgeben. Rechtzeitig und inhaltlich richtig.

Strafzuschläge (penalties) bei Verstoß gegen "reasonable care"

Wer nämlich in UK gegenüber dem Finanzamt keine, verspätete oder falsche Angaben macht, zahlt - wenn es später auffliegt - nicht nur die resultierende Steuer nach, sondern auch eine Strafe, die bis zu 100 Prozent des Steuerbetrags ausmachen kann. Die falschen Angaben müssen dabei nicht vorsätzlich gemacht worden sein, es genügt, wenn der Steuerzahler gegen seine Pflicht zur "reasonable care" (vernünftige Sorgfalt) verstoßen hat, es also hätte besser wissen können, wenn er oder sie sich intensiver mit dem Thema beschäftigt oder einen Experten gefragt hätte. Eine genaue Definition dieser Pflicht zur vernünftigen Sorgfalt (reasonable care) im englischen Steuerrecht findet sich in den internen Richtlinien für UK Finanzbeamte (HMRC Internal Manual Compliance Handbook) in Kapitel CH81120.

Bei vorsätzlicher Steuerhinterziehung (deliberate and concealed) drohen - neben den Strafzuschlägen und Zinsen - auch echte strafrechtliche Sanktionen bis hin zu Haftstrafen.

Die Berechnung der Strafzuschläge im englischen Steuerrecht

Das System der Strafzuschläge ("penalty regime") des britischen Finanzamts ist kompliziert. Die konkrete Höhe der Strafe hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere von:

  • der Art der Steuer (Einkommensteuer, CGT, VAT, IHT usw.),
  • der Art des Verstoßes (verspätete Steuererklärung, verspätete Zahlung von Steuern, Nichtmeldung eines steuerrelevanten Vorgangs oder ungenaue/falsche Angaben),
  • dem Grad des Verschuldens (careless, deliberate oder gar deliberate and concealed) und
  • der Freiwilligkeit der Mitteilung an das englische Finanzamt (unprompted oder prompted).

Hier eine Übersicht zu den letzten beiden Kriterien (Grad des Verschuldens und Freiwilligkeit der Mitteilung an das englische Finanzamt):

Für verspätete Abgabe einer Steuererklärung oder verspätete Zahlung einer festgesetzten Steuer fallen in der Regel pauschale Strafen in Form von Tagessätzen oder Prozent der geschuldeten Steuer an.

Hinzu kommen Verzugszinsen auf die britischen Steuern

Neben den Strafen berechnet das britische Finanzamt bei den meisten Steuerarten auch Verzugszinsen (interest). Hierfür gibt es je nach Steuerart verschiedene Vorschriften. Bei der britischen Erbschaftsteuer (UK Inheritance Tax) sind die Zinsen zum Beispiel so geregelt: www.englischesrecht.de/blog/hohe-zinsen-auf-englische-erbschaftsteuern

Links zu UK-Steuervorschriften und Richtlinien für englische Finanzbeamte

Informationen speziell zur englischen Erbschaftsteuer (UK Inheritance Tax, IHT)

Kategorie: ErbrechtStrafrechtSteuernStrafverfahren

Autor
Bernhard Schmeilzl

Bernhard Schmeilzl

Rechtsanwalt & Master of Laws

+49 (0) 941 463 7070 info@englischesrecht.de

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